Justizansalt Karlau

Häftling

 

 

 

 

 

 

 

21. Juli 2008

Dreharbeiten in der Justizanstalt Karlau

„Mein persönliches Freiheitsempfinden reduziert sich auf eine reine Gedanken- und Vorstellungswelt. Sozusagen ein letzter imaginärer Mikrokosmos in dem ich mich an jene Plätze bewegen kann, die mir positiv in Erinnerung sind“.

Wir drehen in der Justizanstalt Graz-Karlau unter Aufsicht zweier hochrangiger Strafvollzugsbeamter. Unser Gesprächspartner wird auf eigenem nachdrücklichem Wunsch und lt. Gesetzesvorschrift anonym bleiben. Die im grellen Gegenlicht, um 90 Grad verdreht positionierte Kamera, scheint symptomatisch für ein Schattendasein am Aussengrat einer freiheitsliebenden und nach Makellosigkeit strebenden Gesellschaft.

„Mein Leben war auf materiellem Luxus aufgebaut“. Das Glück habe ich damals an der falschen Stelle gesucht und würde gerne so manches rückgängig machen“. Um eine möglichst unbefangene Gesprächssituation zu ermöglichen, vermeiden wir es bewußt, den der Inhaftierung zugrundeliegenden Tatbestand zu thematisieren. Die emotionalen Einblicke in eine räumlich eingeengte und an statische Tagesabläufe gebundene Existenz, gewinnen vielleicht gerade aus dieser ungewöhnlichen Interaktion heraus einen imposanten Tiefgang. Hier spricht sich jemand, etwas über die Jahre aufgestautes wertfrei von und aus der Seele.

Menschen entwickeln in derartigen Situationen ganz eigene Überlebensstrategien, gebunden an Hoffnungen und neu gewonnenen Philosophien, die das Leben ansich, mitunter in ein Licht der Demütigkeit rücken. Und doch bedurfte es zu Beginn des Haftantritts einer erhöhten Dosis an schweren Beruhigungsmedikamenten, um die plötzliche Tatsache des Freiheitsentzuges psychisch überhaupt ertragen zu können. In den Sprechpausen legt sich oft eine seltsame Stille über den an die Gefängnisbibliothek angrenzenden Leseraum, wo wir das Interview führen. Zwischendurch dringen Geräusche von entfernten Schritten und ins Schloss fallenden Türen zu uns durch. Es ist Einschlusszeit.