Prof. Dr. Erich Kleinschuster

Jazzmusiker

 

 

 

 

 

 

 

14. Mai 2005

Dreharbeiten mit Prof. Dr. Erich Kleinschuster

Ich will es nicht verhehlen, dass  der heutige Drehtermin mein stoisches Gefieder ein wenig in Vibration versetzt. "Wie wird uns dieser Mann, der europäische Jazzgeschichte geschrieben und mit Leuten wie Miles Davis und Joe Zawinul die Bühne geteilt hat, gegenüber treten?", frage ich mich, nachdem ich mit ihm vormittags noch kurz am Handy gesprochen hatte und er mir in bestimmten Ton klar machte, dass wir pünktlich sein sollten und er uns maximal eine Stunde Drehzeit einräumen würde.
 "Ihr seid´s ja wirklich pünktlich! Ihr könnt´s nicht vom ORF sein ...", empfängt uns der Herr Professor um Punkt achtzehn Uhr scherzend und zufrieden zugleich. "Ich hab für uns einen Kaffee gemacht", sagt er, während er uns in die Wohnung führt und geschäftig in der Küche verschwindet. Es liegt im sichtlich  daran, dass es uns an nichts fehle.

Ich stelle ihm "außer Konkurrenz" einige Fragen zum Thema Improvisation. Er eilt plötzlich über eine Stiege in ein Zimmer hoch und kehrt mit zwei Notenbüchern unter dem Arm zurück, sehr bemüht, mich in die Geheimnisse des Jazz einzuweihen. Danach kommen wir zu den eigentlichen Themen und mein Gegenüber erweist sich als sehr ausführlicher und interessanter Gesprächspartner. Immer wieder blicke ich auf die Uhr und erwähne schließlich, dass die Stunde vorüber sei. Ich nütze die Gelegenheit, dass mein Gegenüber keine Anstalten des Aufhörenwollens macht und stelle weitere Fragen. Zwischen seinen Antworten erkundigt er sich immer wieder nach unseren leiblichen Wünschen und eilt daraufhin wieder in die Küche, um uns diese zu erfüllen.

Zum Abschluß gibt´s noch die legendäre ORF-Bigband aus dem CD-Player und eine pikante Anekdote über den Grazer Jazz-Sommer. Das mit der Stunde scheint mittlerweile auch nicht mehr ganz so genau und fast hätte uns der narrative Fundus den dieser Mann in sich trägt noch einmal zum Hinsetzen verführt. Ein noch folgender Termin drängt uns leider zum pünktlichen Aufbruch. Wo bleibt da die Improvisation?