Pater Karl Maderner
Pater
28. Mai 2008
Dreharbeiten mit Pater Karl
Die franziskanische Kapelle, der "meditative" Mittelpunkt im Haus der Stille, bildet den stimmungsvollen Hintergrund für unser Gespräch mit Pater Karl Maderner. Mein Gegenüber - barfuß, in braunem Mönchsgewand auf einem gewöhnungsbedürftigen Gebetshocker auf dem Boden sitzend - ist eine fest auf beiden Beinen im Leben stehende Frohnatur. Einmal in Fahrt gekommen, wird jede seiner Ausführungen mit energiegeladener Emotion und kraftvoll unterstreichenden Handbewegungen vorgetragen. "Meine Aufgabe ist es, Menschen ein Stück in ihrem Leben zu begleiten und nicht darüber zu urteilen, ob ihr Tun und Handeln gut oder schlecht sei. Und, um auf deine Frage zurück zu kommen: Natürlich begleite ich auch ein homosexuelles Paar, denn nicht ich führe die Trauung der beiden durch, sondern sie selbst haben sich zum Zeitpunkt ihres Entschlusses - gemeinsam durch das Leben gehen zu wollen - bereits g e t r a u t. So progressiv kann also ein Diener Gottes sein, denke ich mir irgendwann im Laufe des Gespräches und stelle ihm so manche kontroversielle Frage.
"Meine Beziehung zum Tod ...", wiederholt er nachdenklich meine Frage vor dem Ende des Gespräches und blickt für einige Momente ins Leere. "Vor vielen Jahren wog ich nur mehr an die 50 Kilo und musste im Krankenhaus künstlich ernährt werden. Ich war damals dem Tod sehr nahe und habe in mir nachgespürt, ob ich vor der Endlichkeit des Lebens Angst hätte. Nein, ich hatte zu diesem Zeitpunkt keine Angst. Und auch später nicht, als ich eine Krebsoperation über mich ergehen lassen musste oder in andere gefährliche Situationen geraten war. Ich hatte und habe keine Angst vor dem Tod. Der Mensch sollte lernen, bereits vor seinem leiblichen Tod zu sterben ..."
Pater Karl zeigt uns an diesem Abend, wie Spiritualität gepaart mit einem klaren Blick für die Realität und einer ordentlichen Portion Humor als Beigabe gelebt werden kann.