Mag. Manfred Sonnleitner
Pädagoge
04. Juni 2008
Dreharbeiten mit Mag. Manfred Sonnleitner
"Eintauchen in andere Welten" ist ein Anliegen unseres Filmes. "Wie erlebt ein blinder Mensch dieses Leben", eine Frage, die mich schon lange interessierte.
Mag. Manfred Sonnleitner konnte bis zu seinem 21. Lebensjahr sehen. Dann wurde ihm durch eine plötzlich auftretende Augenkrankheit das Sehvermögen genommen und er ist seit diesem Zeitpunkt blind. Mir gegenüber sitzt ein sympathischer, junger Mann mit einer kräftigen, ausdrucksvollen Stimme. Er wirkt sehr lebensbejahend und aufgeschlossen.
Seinen Beruf als Elektrotechniker, erzählt er, musste er aufgrund der neuen Situation aufgeben. Dafür absolvierte er das Studium der Pädagogik und lehrt nunmehr an der Uni Graz.
"Was mich wirklich stört und manchmal auch ärgert, ist, wenn gesunde Menschen einem Behinderten mit Mitleid begegnen", meint er gefühlsbetont.
Ich frage ihn, ob sich aufgrund seiner Blindheit andere Sinne bei ihm stärker entwickelt hätten.
"Ich kann die Stimmung eines Menschen, der mir gegenüber sitzt, über seine Art zu sprechen und seinen Ausdruck fest stellen", erzählt er mir lächelnd. "Wenn ich mit meiner Frau verreise, kann ich zwar das blaue Meer nicht sehen, aber ich rieche eine ganz andere würzige Vegetation und höre vollkommen andere Tierstimmen und Geräusche als zu Hause. Wissen Sie: Die Vögel in der Stadt klingen ganz anders als auf dem Land. Ich höre deutlich den Unterschied ..."
Wir sprechen über sein Glücksempfinden vor und nach dem "Ereignis" und wie er aus einer Orientierungslosigkeit heraus begann Bücher von Viktor E. Frankl zu lesen und sich intensiv mit sich selbst auseinander zu setzen.
Ein sehr interessanter Drehtermin mit einem Mann, der sein Leben vorbildlich zu meistern scheint.
